30.01.2016
Gottgegeben

Brahms in Musik und Lesung am

 

„Ein Brahms-Abend der besonderen Art“ … so stand es in der Ankündigung des Konzertes. Und wirklich, es war ein besonderer Abend, an dem die Pianistin Maria Anastasia Hörner und Markus Menke, Konzertmeister der Lüneburger Symphoniker, das Publikum beschenkten mit innig präsentierter Kunst. Pastor Skowron ergänzte ihre feine Interpretation von Brahmssonaten – virtuos gespielt und gefühlvoll zugleich – durch Passagen aus einem 1896 in Wien geführten Gespräch zwischen Johannes Brahms, dessen Freund und zeitgenössischen Geiger Joseph Joachim und Arthur M. Abell, einem amerikanischen Musikkorrespondenten. Diesem gelang es, „Gespräche mit berühmten Komponisten“1 zu führen, in denen er dem spirituellen Ursprung des musikalischen Schaffens der Künstler nachging. „Gottgegeben“ … dieses Attribut gibt Brahms selbst immer wieder seiner Musik: Empfangen und entstanden aus einer tiefen Verbindung zum Unendlichen. Und so finden die Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem Abend über die gelungene Verbindung von Musik und Text Zugang zu der spirituellen Dimension des Brahms’schen Schaffens. Das Schöpfen von Musik als spiritueller Akt? Ja, eindeutig ja. Hingegeben an die eigene Seelenkraft und inspiriert durch seine Gottesliebe komponierte Brahms in dem Wissen, dass seine Musik dem Geist einer höheren Kraft entspringt. Diesen Geist, diesen Zauber schienen auch die Künstler des Abends verinnerlicht zu haben, als sie in harmonischem Zusammenspiel das Publikum mit ihrer Darbietung verzauberten.

 

1 Arthur M. Abell: Gespräche mit berühmten Komponisten. Über die Entstehung ihrer unsterblichen Meisterwerke, Inspiration und Genius. Artha Verlag, 2002.

 

 


12.12.2015
Joachim Goerke in der PianoKirche

 

Der Lüneburger Pianist und Komponist Joachim Goerke – der PianoKirche und den musikalischen Entwicklungen in der Kreuzkirche sehr verbunden - ist mit seiner Musik des Öfteren hier zu Gast, schenkte bereits mit seiner Band, im Duo mit Matthias Clasen oder aber auch mit seinem Chor berührenden Musikgenuss. Am 12.12.2015 gab der Künstler sein erstes Solokonzert am Steinway-Flügel der PianoKirche. Im besten Wortsinne im Mittelpunkt stand der Flügel – dicht darum das Publikum, das den Klängen lauschte, die Joachim Goerke dem komplett geöffneten Instrument entlockte. Diese unmittelbare Nähe zwischen Künstler, Instrument und Publikum ließ das Konzert zu einem ganz besonderem werden: Eine feine Interaktion zwischen dem Pianisten und dem Publikum, zwischen Instrument und Raum, zwischen Musik und Stille konnte sich entspinnen. Und so beschränkte sich das Lauschen keineswegs auf das Wahrnehmen mit den Ohren, sondern wurde zu einem fast körperlichen Erleben. Goerke – Meister der leisen Töne und nicht nur in Lüneburg für sein feines Spiel mit Klang und Stille bekannt - überraschte sein Publikum mit vielen neuen Kompositionen. Neue Klangfarben zeigten sich, mal kraftvolles, getragenes, mal freudiges, lebendiges Spiel und immer wieder die Einladung, sich den Klängen wach und still zu öffnen. Mitunter komplettierte Joachim Goerke sein Pianospiel mit freiem und spontan assoziiertem Gesang. Fast sphärisch erreichte er wie Seelenklänge die Lauschenden, erzeugte Bilder, lud in dichter Atmosphäre ein, sich berühren zu lassen, nach innen zu gehen und ganz bei sich zu sein. Und so war dieser Abend gleichermaßen wunderbares Konzerterleben und Meditation.